Landschaftsfotografie mit 500 mm

Wer Landschaftsfotografie hört, denkt zunächst an weitwinklige Optiken um auch recht viel von der Weite der Landschaft fotografieren zu können. Wer in die Toskana fährt darf nicht vergessen, seine längste Brennweite mitzunehmen, die er hat. Hä? Denkt der geneigte Leser, hat er jetzt alle Bites seiner Speicherkarte verloren, oder was ist denn da nun los?

Ja, Landschaftsfotografie mit langer Brennweite macht Sinn und insbesondere in der Toskana, wo die sanften Hügel dieser einzigartigen Landschaft besondere Blicke ermöglichen, wie man sie kaum woanders nochmal so antrifft. Da macht eine lange Brennweite durchaus Sinn, weil dieser weite Blick so viele Details offenbart, dass man sie alle in den Teleblick nehmen muss.

Doch dazu später. Wer in der Toskana mit spektakulären Ergebnissen fotografieren will, muss früh aufstehen. Nur da spielt diese Landschaft – aber nur wenn sie will – seine ganzen Reize aus. Ich meine diese mystischen Ainsichten auf Agriturismos, Zypressenallen und unendliche Felder in Verbindung mit Nebelschwaden.

Also erst mal die den exakten Termin des Sonnenaufgangs ermitteln (hier helfen inzwischen kleine Apps, die man auf dem Smartphone anwenden kann und danz spezifisch zum gewünschten Tag und Position die Sonnenaufgangszeit ansagen). Man sollte schon eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang am Fotospot sein, weil auch die Dämmerung wunderbare Effekte bereithält. Wenn man dann noch die Fahrt zum Fotospot einrechnet bemerkt man, dass der Wecker schon gewaltig früh einzustellen ist. Schließlich muss man ja auch noch den Chianti vom Vortag irgendwie verarbeiten. In meinem Beispiel war der Sonnenaufgang um 5.50 Uhr, also wollte ich gegen 5.20 Uhr in Pienza bereit zum Fotografieren stehen. Die Fahrt von San Quirico d’Orca nach Pienza ist mit ca. 15 Minuten nicht sehr lange, aber dennoch musste ich also um 5.05 das Haus verlassen. Man kann sich nun ausrechnen, wann mein Wecker meinte, klingeln zu müssen.

Liebe Toskanafotografen, wenn Ihr schon die weite Reise hierhin antretet, verschwendet nicht Eure Zeit mit der Fotografie am Tag. Nutzt den Tag, um festzustellen, wo Ihr am nächsten frühen Morgen mit Stativ und Kamera bereit stehen werdet und widmet Euch den Rest des Tages der Bearbeitung Eurer Bilder vom Vortag, denn genug Material habt Ihr mit Sicherheit. Wenn dann noch Zeit bleibt – und darauf solltest Du dringend achten – darf das leibliche Wohl keinesfalls zu kurz kommen. Also ran an die Fiorentinas, Tagliatelle, Capreses und allem, was der Speiseplan noch zu bieten hat und nicht den Wein vergessen. Rot oder Weiß, egal, am besten beides und wünscht Euch einen Morgen, wie ich ihn erleben durfte.

Dann war es so weit. Schlaftrunken, aber rechtzeitig schaffte ich es aus dem Haus, aber schon nach der ersten Kurve hinter San Quirico d’Orcia musste ich stehen bleiben. Im Vordergrund die Mohnblumen und im Hintergrund die Nebelschwaden. Keine Möglichkeit daran vorbeifahren zu können. Also Stopp und Stativ aufgebaut. Bitte nicht den Fehler machen und einem erhöhten ISO-Wert den Zuschlag in Konkurrenz zum Stativ geben. Es lohnt sich, lieber etwas länger bei ISO 100 oder wenn die Kamera es hergibt auch noch niedriger zu belichten, als dann mit weniger rauschfreiem Material am Rechner zu sitzen. Insbesondere dann, wenn die Begeisterung so groß wird, dass man jedes Bild am liebsten als Poster ausgedruckt an die Wand hängen möchte.

Also das mit der halben Stunde vor Sonnenaufgang war leider den fotografischen Verlockungen auf dem Weg zum Spot zum Opfer gefallen. Wer hier sicher gehen will, muss also noch eine gute Viertelstunde draufpacken. Sollte man sich aber dennoch gut überlgen, das kann dann nämlich schon einschränkende Konsequenzen für den vorabendlichen Rotweinkonsum haben.

Am Spot in Pienza angekommen, bleibt zunächst der Mund offen stehen. Zumindest meine Vorstellungen von den vorgefundenen Ansichten wurden sogar übertroffen. Und jetzt kommt das Zomm 200-500 zum Einsatz. 500 mm an einer Nikon D850 und los geht’s. Alle folgenden Bilder wurden mit einer Brennweite von 280 mm aufwärts bis 500 mm fotografiert.

Aber auch die kürzeren Brennweiten machen durchaus Lust auf mehr. Dieser Morgen in der Toskana war vergleichbar mit der perfekten Welle beim Surfen. Ich hatte ihn.

Der Subjektive Blick durch Objektiv – Ausstellung im Alpenhotel Ammerwald (Teil 3)

Jetzt läuft der Countdown zu Vernissage! Zwei Stunden vorher sind die letzten Bilder an seinem Platz angekommen, die ersten Gäste kommen und wir sind ziemlich verschwitzt. Zum Glück stelle ich in einem Hotel aus und habe auch gleichzeitig ein Zimmer für die Nacht gebucht. Die erfrischende Dusche ist also gesichert. Also nichts wie ab aufs Zimmer und frisch gemacht, damit wir dann auch gleich unsere Gäste begrüßen können.

Wir haben das Kaminzimmer im ersten OG für die Vernissage reserviert und so langsam trudeln alle Gäste dort ein. Mit gekühlten Getränken und kleinen Knabbereien treffen wir uns mit Freunden, Verwandten, Kunden und allen anderen, die sich für meine Fotografie interessieren. Abordnungen des Fotoclubs Vaterstetten und des AKF Kaufbeuren sind auch da, das freut mich besonders.

Nach der offiziellen Begrüßung durch Peter Maitz, dem Gastro-Chef des Alpenhotels übernimmt zu meiner Freude ein langjähriger guter Freund – Josef Pfiffer – die Ansprache. Inzwischen auch fotobegeistert (Fotoclub Vaterstetten) führt er die auf ca. 50 Besucher angewachsene Gesellschaft kompetent in die kommende Fotoausstellung ein.

An dieser Stelle danke ich meiner Fotofreundin Bettina Markthaler für die Überlassung ihrer Fotografien.

Danach entlassen wir die Runde auf den Gang durchs Hotel zur Besichtigung der insgesamt 66 Fotografien. Eine Aktion, die gute zwei Stunden dauert und alle Gäste durchaus auf Ihre Kosten kommen lässt. Die Feedbacks sind durchweg positiv und erste Verkäufe sind auch schon verzeichnen.

Besondere Freude bereitet mir der Verkauf des Bildes „Physalis“, das vom Alpenhotel vom Fleck weg übernommen wurde. Dieses Bild passt aber so gut an diesen Ort! Schaut es Euch an, das Bild bleibt dort hängen!

Und jetzt für alle, die sich trauen oder keine Zeit haben oder welchen Grund auch immer haben, noch im verblebenden August ins Alpenhotel Ammerwald zu fahren. Hier alle Bilder der Ausstellung, nach thematischen Gebieten sortiert:

Im 1. Obergeschoss, dem Seminarbereich das Thema rund um die „BMW Zentrale“:

Im Restaurant des Hotels befinden sich die Landschaften. Hier bin ich komplett in großen Leinwandformaten unterwegs:

Dann bewegt Ihr Euch zur Tagesbar und den Speisesaal mit meinen Experimenten, speziell dort findet sich dann auch die „Physalis“:

Abschließend dann noch der Gang ins Untergeschoss. Die gemütliche Gamsbar beherbergt weitere Fotografien aus dem Bereich „Fauna und Flora“ sowie unter dem Aspekt „Fotografie – Zeichnen mit Licht“:

 

Es wird Winter im Allgäu

Landschaftsfotografie im Allgäu

Heute habe ich mich mit Fotofreund Christian zum Fotografieren verabredet. Er hat sich eine neue Kamera gekauft und wollte von mir einige Tipps und Tricks erfahren. Um das gleich richtig in der Praxis zu machen, wollten wir Richtung Eisenberg im Allgäu fahren um dann in den Morgen hinein zu fotografieren.

Das war eine gute Wahl. Gestern hatte es zum ersten Mal in dieser Saison ergiebiger geschneit und der Schnee lag heute frisch auf der Allgäuer Landschaft. Bei Minus-Graden von bis zu 15 Grad unter Null standen wir nun da und warteten auf die Sonne.

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Als erstes wurde der Auto-Modus der Kamera ausgeschaltet. Die Stimmungen, die man in der Dämmerung einfangen möchte, steuert man lieber selber z.B. mit Blendenvorwahl.

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Solange es noch sehr dämmerig ist und man nicht unbedingt den ISO hochdrehen will, braucht man zwingend ein gutes Stativ.

Wir waren in unserem Element und die Wahl des Tages war genau richtig angesetzt. Als wir uns vor 3 Tagen verabredet hatten, war es noch nicht ganz klar, dass wir so ein tolles Wetter und Licht bekommen würden.

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Dann war es so weit! Kurz nach 8:00 Uhr ging die Sonne auf. Erste Lichtstrahlen fallen auf die Ruine Falkenstein.

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Kleine Strahlenkunde: Lichtquellen erzeugen längere Strahlen, wenn man die Blende entsprechend klein einstellt – zum Vergleich:

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Aufnahme mit Blende 7,1
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Aufnahme mit Blende 22

Irgendwann war es aber mal so zapfig kalt, dass wir ganz froh waren, wieder im Auto zu sitzen und zurückfahren zu können.

Hier noch eine kleine Auswahl der fotografischen Beute des Tages: