Landschaftsfotografie mit 500 mm

Wer Landschaftsfotografie hört, denkt zunächst an weitwinklige Optiken um auch recht viel von der Weite der Landschaft fotografieren zu können. Wer in die Toskana fährt darf nicht vergessen, seine längste Brennweite mitzunehmen, die er hat. Hä? Denkt der geneigte Leser, hat er jetzt alle Bites seiner Speicherkarte verloren, oder was ist denn da nun los?

Ja, Landschaftsfotografie mit langer Brennweite macht Sinn und insbesondere in der Toskana, wo die sanften Hügel dieser einzigartigen Landschaft besondere Blicke ermöglichen, wie man sie kaum woanders nochmal so antrifft. Da macht eine lange Brennweite durchaus Sinn, weil dieser weite Blick so viele Details offenbart, dass man sie alle in den Teleblick nehmen muss.

Doch dazu später. Wer in der Toskana mit spektakulären Ergebnissen fotografieren will, muss früh aufstehen. Nur da spielt diese Landschaft – aber nur wenn sie will – seine ganzen Reize aus. Ich meine diese mystischen Ainsichten auf Agriturismos, Zypressenallen und unendliche Felder in Verbindung mit Nebelschwaden.

Also erst mal die den exakten Termin des Sonnenaufgangs ermitteln (hier helfen inzwischen kleine Apps, die man auf dem Smartphone anwenden kann und danz spezifisch zum gewünschten Tag und Position die Sonnenaufgangszeit ansagen). Man sollte schon eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang am Fotospot sein, weil auch die Dämmerung wunderbare Effekte bereithält. Wenn man dann noch die Fahrt zum Fotospot einrechnet bemerkt man, dass der Wecker schon gewaltig früh einzustellen ist. Schließlich muss man ja auch noch den Chianti vom Vortag irgendwie verarbeiten. In meinem Beispiel war der Sonnenaufgang um 5.50 Uhr, also wollte ich gegen 5.20 Uhr in Pienza bereit zum Fotografieren stehen. Die Fahrt von San Quirico d’Orca nach Pienza ist mit ca. 15 Minuten nicht sehr lange, aber dennoch musste ich also um 5.05 das Haus verlassen. Man kann sich nun ausrechnen, wann mein Wecker meinte, klingeln zu müssen.

Liebe Toskanafotografen, wenn Ihr schon die weite Reise hierhin antretet, verschwendet nicht Eure Zeit mit der Fotografie am Tag. Nutzt den Tag, um festzustellen, wo Ihr am nächsten frühen Morgen mit Stativ und Kamera bereit stehen werdet und widmet Euch den Rest des Tages der Bearbeitung Eurer Bilder vom Vortag, denn genug Material habt Ihr mit Sicherheit. Wenn dann noch Zeit bleibt – und darauf solltest Du dringend achten – darf das leibliche Wohl keinesfalls zu kurz kommen. Also ran an die Fiorentinas, Tagliatelle, Capreses und allem, was der Speiseplan noch zu bieten hat und nicht den Wein vergessen. Rot oder Weiß, egal, am besten beides und wünscht Euch einen Morgen, wie ich ihn erleben durfte.

Dann war es so weit. Schlaftrunken, aber rechtzeitig schaffte ich es aus dem Haus, aber schon nach der ersten Kurve hinter San Quirico d’Orcia musste ich stehen bleiben. Im Vordergrund die Mohnblumen und im Hintergrund die Nebelschwaden. Keine Möglichkeit daran vorbeifahren zu können. Also Stopp und Stativ aufgebaut. Bitte nicht den Fehler machen und einem erhöhten ISO-Wert den Zuschlag in Konkurrenz zum Stativ geben. Es lohnt sich, lieber etwas länger bei ISO 100 oder wenn die Kamera es hergibt auch noch niedriger zu belichten, als dann mit weniger rauschfreiem Material am Rechner zu sitzen. Insbesondere dann, wenn die Begeisterung so groß wird, dass man jedes Bild am liebsten als Poster ausgedruckt an die Wand hängen möchte.

Also das mit der halben Stunde vor Sonnenaufgang war leider den fotografischen Verlockungen auf dem Weg zum Spot zum Opfer gefallen. Wer hier sicher gehen will, muss also noch eine gute Viertelstunde draufpacken. Sollte man sich aber dennoch gut überlgen, das kann dann nämlich schon einschränkende Konsequenzen für den vorabendlichen Rotweinkonsum haben.

Am Spot in Pienza angekommen, bleibt zunächst der Mund offen stehen. Zumindest meine Vorstellungen von den vorgefundenen Ansichten wurden sogar übertroffen. Und jetzt kommt das Zomm 200-500 zum Einsatz. 500 mm an einer Nikon D850 und los geht’s. Alle folgenden Bilder wurden mit einer Brennweite von 280 mm aufwärts bis 500 mm fotografiert.

Aber auch die kürzeren Brennweiten machen durchaus Lust auf mehr. Dieser Morgen in der Toskana war vergleichbar mit der perfekten Welle beim Surfen. Ich hatte ihn.

Der Subjektive Blick durch Objektiv – Ausstellung im Alpenhotel Ammerwald (Teil 3)

Jetzt läuft der Countdown zu Vernissage! Zwei Stunden vorher sind die letzten Bilder an seinem Platz angekommen, die ersten Gäste kommen und wir sind ziemlich verschwitzt. Zum Glück stelle ich in einem Hotel aus und habe auch gleichzeitig ein Zimmer für die Nacht gebucht. Die erfrischende Dusche ist also gesichert. Also nichts wie ab aufs Zimmer und frisch gemacht, damit wir dann auch gleich unsere Gäste begrüßen können.

Wir haben das Kaminzimmer im ersten OG für die Vernissage reserviert und so langsam trudeln alle Gäste dort ein. Mit gekühlten Getränken und kleinen Knabbereien treffen wir uns mit Freunden, Verwandten, Kunden und allen anderen, die sich für meine Fotografie interessieren. Abordnungen des Fotoclubs Vaterstetten und des AKF Kaufbeuren sind auch da, das freut mich besonders.

Nach der offiziellen Begrüßung durch Peter Maitz, dem Gastro-Chef des Alpenhotels übernimmt zu meiner Freude ein langjähriger guter Freund – Josef Pfiffer – die Ansprache. Inzwischen auch fotobegeistert (Fotoclub Vaterstetten) führt er die auf ca. 50 Besucher angewachsene Gesellschaft kompetent in die kommende Fotoausstellung ein.

An dieser Stelle danke ich meiner Fotofreundin Bettina Markthaler für die Überlassung ihrer Fotografien.

Danach entlassen wir die Runde auf den Gang durchs Hotel zur Besichtigung der insgesamt 66 Fotografien. Eine Aktion, die gute zwei Stunden dauert und alle Gäste durchaus auf Ihre Kosten kommen lässt. Die Feedbacks sind durchweg positiv und erste Verkäufe sind auch schon verzeichnen.

Besondere Freude bereitet mir der Verkauf des Bildes „Physalis“, das vom Alpenhotel vom Fleck weg übernommen wurde. Dieses Bild passt aber so gut an diesen Ort! Schaut es Euch an, das Bild bleibt dort hängen!

Und jetzt für alle, die sich trauen oder keine Zeit haben oder welchen Grund auch immer haben, noch im verblebenden August ins Alpenhotel Ammerwald zu fahren. Hier alle Bilder der Ausstellung, nach thematischen Gebieten sortiert:

Im 1. Obergeschoss, dem Seminarbereich das Thema rund um die „BMW Zentrale“:

Im Restaurant des Hotels befinden sich die Landschaften. Hier bin ich komplett in großen Leinwandformaten unterwegs:

Dann bewegt Ihr Euch zur Tagesbar und den Speisesaal mit meinen Experimenten, speziell dort findet sich dann auch die „Physalis“:

Abschließend dann noch der Gang ins Untergeschoss. Die gemütliche Gamsbar beherbergt weitere Fotografien aus dem Bereich „Fauna und Flora“ sowie unter dem Aspekt „Fotografie – Zeichnen mit Licht“:

 

Der Subjektive Blick durch Objektiv – Ausstellung im Alpenhotel Ammerwald (Teil 2)

Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte – schließlich ist die Organisation einer Ausstellung dieser Größenordnung kein Pappenstiel – wurde konzentriert an der Umsetzung des Projektes gearbeitet. Auswahl geeigneter Bilder, nochmals bearbeiten und letzte Feinheiten optimieren sowie die Fotografien auf die geplante Ausgabegröße skalieren, das waren die wesentlichen Arbeiten der letzten Monate. Zusätzlich hatten wir für März und April eine längere Reise nach Neuseeland geplant. Es sollten auf jeden Fall noch ein paar Landschaftsbilder von dort in die Ausstellung und zwischen Rückkehr von der langen Reise und der Vernissage sind es nur noch 3 1/2 Wochen. Also alles soweit vorbereiten, dass man dann nur noch das machen musste, was wegen der fehlenden Bilder nicht getan werden konnte. So waren alle anderen Bilder schon fertig verpackt, das Layout des Katalogs war bis auf die fehlenden Fotos fertig. Diese wurden durch Platzhalter vorgesehen. Es empfiehlt sich, vor Serienproduktion des Kataloges einen Probedruck anfertigen zu lassen. Manche Internetdruckereien bieten solche Probedrucke sogar kostenfrei an.

Nach der Rückkehr aus Neuseeland war meine erste Aktivität das Suchen und Finden der geeigneten Landschaftsbilder für meine Ausstellung. Die Qual der Wahl brachte dann diese 7 Landschaftsbilder hervor, die recht zügig in die Produktion auf Leinwand im Format 120×80 cm geschickt wurden:

Da musste alles recht schnell gehen, zumal die Katalogproduktion erfahrungsgemäß mindestens eine Woche braucht, bei 2 Wochen verbleibender Zeit aber alles noch im grünen Bereich.

Dann geht’s in die letzte Runde, alle Bilder liegen nun verpackt im heimischen Studio und warten darauf, abtransportiert zu werden. Abtransportiert? Ach ja, da warten also nicht unerhebliche Kartonberge in Größenordnungen, die eigentlich einen Kleinlaster erfordern – den ich natürlich nicht besitze – darauf an den Ort der Ausstellung gefahren zu werden. Insbesondere „Physalis“ mit seinen Ausmaßen ist eigentlich nicht für den Transport in einer handelsüblichen Limousine geeignet. Die erste Schätzung zeigt schnell, dass man mit einer Fahrt gar nicht alles transportiert bekommt. Auch dieses muss der ambitionierte Fotoaussteller bedenken. Meine Schätzung sah vor, dass alle Bilder in zwei Tagen gehängt werden könnten, wobei am zweiten Tag gegen 16.00 Uhr die Vernissage geplant wurde. Da dürfte dann aber nichts anderes mehr dazwischen kommen. Somit musste eine erste Transportfahrt im Vorfeld her. Das passierte dann auch und sogar „Physalis“ konnte mit. War zwar recht eng im Auto, das Bild reichte über die Kopfstützen und nahm uns die Kopffreiheit, aber ich hatte mit dieser Fahrt ca. 40 Bilder schon mal ins Alpenhotel gebracht und konnte somit beruhigt den letzten 2 Tagen vor der Vernissage entgegen sehen.

Die heiße Zeit beginnt! Am 4.5. – einen Tag vor der Vernissage – stehen wir morgens im Alpenhotel und sortieren alle Bilder. Verdammt nochmal! „Sonnenuntergang aus Korfu“ ist und bleibt verschwunden, dabei bin ich mir sicher, dass dieses Bild produziert und bezahlt wurde. Konzentriert machen wir uns an die Arbeit und hängen zunächst mal die ersten Bilder im Kaminzimmer 1. Stock.

Kaminzimmer, 1, Stock: Hier hängen 8 gerahmte Fotografien 50×40 cm.

Nur gut, dass an vielen Stellen Galerieschienen verfügbar sind, so dass wir keine Nägel oder Haken in die Wand treiben müssen, was alles um einiges verlangsamen würde. An Werkzeug empfiehlt es sich, Meterstab (die moderne Laser-Variante leistet auch gute Dienste insbesonders, wenn es um größere Entfernungen geht), Wasserwaage, Zange, starke Paketschnur, Akku-Schrauber und Hammer dabei zu haben. Für alle Fälle hatte ich natürlich mal den Bohrhammer eingepackt, der war aber nicht nötig. Einen Tacker hatte ich ebenfalls mit dabei und den brauchte ich dann auch tatsächlich recht intensiv in der Gamsbar. Unverzichtbar sind Baumwollhandschuhe, mit denen man dann die Bilder berühren kann, ohne Fingerabdrücke zu hinterlassen. Das ist gerade bei den vielen Acrylbildern besonders wichtig, schließlich will man nicht dauernd die Bilder putzen und wenn die Oberfläche noch nicht ganz Tip Top ist, hat man gleich einen Baumwollhandschuh an, mit dem man über das Bild fahren kann.

In den Gängen des Seminarbereichs 1. Stock: Hier hängen die Bilder der BMW Zentrale.

Es hatte sich bewährt, dass die Position schon lange vorher definiert war, das ersparte etliche Diskussionen vor Ort und das Hängen ging schließlich flott von der Hand. Einzelbilder brauchten nur mit der Wasserwaage überprüft werden, während bei mindestens zwei Bildern dann auch die Homogenität der Bilder untereinander zu checken ist. Ist die Oberkante in einer Linie, haben alle Bilder einen identischen Abstand untereinander oder möchte man das ganz anders gestalten, insbesondere dann, wenn unterschiedliche Formate nebeneinander gehängt werden sollen.

Im Restaurant: Die Landschaften, Leinwandbilder in unterschiedlichen Größen.

Das war dann z.B. im Restaurant der Fall, neben den Formaten 120×80 cm sollte hier auch ein noch größeres mit 160×90 cm bzw. auch kleinere Bilder mit 100×75 cm untergebracht werden. Wir hatten uns hier entschieden, die Oberkante als durchgängige Größe einzuhalten.

Die Aufhängung von Bildern an einer Galerieschiene hat entscheidende Vorteile, weil man dann immer noch problemlos an der Position vertikal und horizontal ändern kann, Voraussetzung, man hat genügend Perlonseile und Gleithaken! Genau das brachte kurzfristig etwas Aufregung in die ansonsten geschäftige Stille. Es empfiehlt sich, unbedingt die Anzahl der benötigten Perlonseile und Gleithaken zu prüfen. Ich musste meinen ganzen eigenen Bestand ebenfalls mitbringen, sogar Bilder zuhause abhängen und die Perlonseile verwenden, um die komplette Masse an Ausstellungsbildern gehängt zu bekommen. Angesichts der wenigen zur noch zur Verfügung stehenden Zeit war es auch unmöglich, noch irgendwo einen Bestand an Perlonseilen einzukaufen, da diese nicht in jedem Baumarkt erhältlich sind. Mein kläglicher Versuch, mit der Blechstimme am Infotelefon des schwedischen Möbelhauses eine Diskussion zu führen, ob eventuell in Brunnthal noch was auf Lager wäre, hatte außer nervlicher Belastung zu keinem Ergebnis geführt.

Dann war es soweit:

„Physalis“ im Speisesaal, als ob man das Hotel um das Bild herum gebaut hätte.

„Physalis“ wurde im Speisesaal aufgehängt. Nett, dass gerade zu dieser Zeit, viele Hotelgäste zugegen waren, die gerade einen „Italienischen Abend“ hatten. Interessant, wie die Blicke der Gäste durch „Physalis“ angezogen wurden. Man spürte förmlich, wie die Diskussionen zum Bild gestartet wurden. Manche Gäste standen auf, um sich das Bild näher anzuschauen und intensiv darüber zu diskutieren. Toll, kann ich nur sagen. War eine spannende Geschichte.

Gamsbar im UG: Getackerte Aufhängungsvariante.

Die Bilder in der Gamsbar wurden nicht in Galerischienen gehängt, hier musste ich die Perlonseile im Holzrahmen der Stoffbespannung direkt unter der Decke festtackern. Nach ersten Anfangsschwierigkeiten war das aber auch bald gelernte Praxis und ging flott von der Hand.

Im Eingangsbereich: Der Blick zur Galerie im 1. OG, links unten ist die Tagesbar mit einigen Fotografien zu erkennen.

Nach gut 2 Tagen Arbeit waren dann insgesamt 66 Bilder an ihrem Platz. Gegen 14.00 Uhr, also 2 Stunden vor Start der Vernissage war alles fertig. Der Countdown zur Eröffnung läuft ….

… Im Teil 3 meiner Dokumentation: die Vernissage und eine kleine Bilderschau der ausgestellten Fotografien.

Der Subjektive Blick durch Objektiv – Ausstellung im Alpenhotel Ammerwald (Teil 1)

Endlich ist es geschafft, meine Ausstellung „Der Subjektive Blick durchs Objektiv“ ist am 5.5.2017 eröffnet worden. Dieses Projekt hat mich fast 1 1/2 Jahre mit Vorbereitungen, Bilder produzieren, Katalog und Flyer erstellen bis hin zum finalen Hängen der Bilder beschäftigt. Keine leichte Sache, vor allem, wenn man eine Ausstellung in dieser Größenordnung noch nie gemacht hat, aber irgendwann muss es ja mal sein.

Hier erzähle ich Euch in einem 3-teiligen Blog meine Erfahrungen in der Organisation bis hin zur Eröffnung im Rahmen einer Vernissage.

Anfang letzten Jahres war ich öfter zu Workshops im Alpenhotel Ammerwald unterwegs und bemerkte, dass dort verschiedensten Künstlern im Rahmen von Ausstellungen die Chance geboten wird, Ihre Ergebnisse zu zeigen. Die ersten Verhandlungen mit Peter Maitz, dem Chef der Gastronomie, waren recht positiv. Ich brachte einige Beispielfotos mit die wohl gefielen und so einigten wir und darauf, dass ich meine Ausstellung im Zeitraum Mai bis September 2017 hängen könnte.

Man darf sich nicht überschätzen! Eine Ausstellung in dieser Größenordnung benötigt durchaus 1 Jahr Vorbereitungszeit, insbesondere, wenn man nicht Vollzeit daran arbeitet. Was aber viel wichtiger ist: das Konzept kann reifen! Immer wieder denkt man die Auswahl der Motive, die Platzierung an der Wand, das Layout des Kataloges durch und kommt oft genug auf Optimierungspotenzial, das man dann umsetzen kann, weil eben noch Zeit ist.

So ergab die erste Schätzung, nachdem ich alle drei Stockwerke in denen ich hängen durfte begutachtet und ausgemessen hatte, eine Anzahl von 50-60 Bildern die ich dafür brauchen würde. Erschwerend kommt hinzu, dass ein solches Hotel nicht mit kleinen Bildchen zufrieden geben kann. Hier gibt es genügend große und freie Flächen, sodass man auf jeden Fall großformatig einsteigen muss.

Als Titelbild der gesamten Ausstellung hatte sich sehr schnell meine „Physalis“ herauskristallisiert. Ein wenig mulmig wurde mir, als Peter meinte „dort hinten im Speisesaal, aber groß muss das Bild sein“. Da wurde mir so richtig klar, dass hier auch großformatige Euroscheine über den Tresen gehen müssen, um die Menge an Bilder erstmal zu produzieren.

Also, liebe Fotofreunde, die Ihr eine Ausstellung plant: seid Euch bewusst, dass Ihr die Produktion Eurer Ausstellung mit allem Drum und Dran meist selber bezahlen müsst. Es ist schon viel genug, dass Ihr von kunstbegeisterten Kneipenbesitzern, Weinhandlungen, Rathäusern und Gemeindeämtern, Hotels oder vielen andern Häusern die Möglichkeit (und Ehre) bekommt Eure Kunst auszustellen. Nehmt das dankbar an, freut Euch auf Euer Ausstellungsprojekt und scheut weder Kosten noch Mühen.

Eine Fotoausstellung muss ein Thema haben! Ohne inhaltliche Klammer beibt eine Ausstellung ein Sammelsurium an Einzelbildern und dem Betrachter fehlt der rote Faden, also denkt immer daran: es macht keinen Sinn, alles was Ihr könnt in einer Ausstellung zu zeigen, verteilt Eure Schätze doch besser auf mehrere Ausstellungen. Aufgrund der schieren Größe der hier nutzbaren Fläche und der räumlichen Trennung über drei Stockwerke konnte ich mir den Luxus leisten, sogar mehrere Themen in Auge zu fassen.

Planung tut not. Also erstmal in Ruhe alle Wände, an denen Fotos gehängt werden ausmessen und wenn möglich im Maßstab das geplante Material einpassen. Das verhilft zu einer erheblich verkürzten Aufbauzeit, wenn man schon weiß, an welche Stelle ein Bild während der heißen Phase kurz vor Vernissage hin muss.

Mein Wandlayout hilft bei der Positionierung der Fotografien

Und nun ab in die Serienproduktion. Es macht dabei keinen Sinn, wenn man alle Bilder, die zur Ausstellung müssen auf einen Rutsch bestellt, insbesondere in dieser Größenordnung empfiehlt es sich sehr, in kleineren Tranchen zu bestellen. Der Kollege von DHL wird es Dir danken, aber auch für einen selbst ist das sinnvoll, weil man muss jedes Bild natürlich auspacken, prüfen, signieren, Aufhänger anbringen, in Excel-Listen verwalten und bepreisen. Da macht das Sinn, immer in kleinen Häufchen zu arbeiten, zumal jedes Bild ja TOP werden muss, Masserverarbeitung ist da nicht zu empfehlen.

Denkt daran, diese Bilder müssen ja dann auch noch irgendwo gelagert werden – keine einfache Sache, wenn man daran denkt, dass „Physalis“ nun doch 200×100 cm geworden ist.

„Physalis“ (die Rückseite) nach Signierung, im Vordergrund Katalog und Flyer

Bei einem so repräsentativen und besonderem Haus, wie dem Alpenhotel Ammerwald sollte man schon daran denken, zusätzliches Infomaterial dazuzugeben. Es macht einfach keinen guten Eindruck, wenn der Katalog eine mit Heftklammer getackerte, auf Kopierpapier ausgedruckte lose Seitensammlung ist. Auf geht’s ans Layouten eines Kataloges und eines Flyers. Wichtig ist dabei ein einheitliches Layout, solches Material aus einem Guss ist das Aushängeschild eines jeden Künstlers im Rahmen einer Ausstellung. Denkt daran, Ihr könnt nicht immer dabei sein, wenn jemand Deine Ausstellung bewundert, also sollte das Material so geschrieben sein, dass alles ohne weitere Erklärungen verständlich ist.

Das wäre dann der Flyer:

Für den Katalog verwendete ich das gleiche Layout, dort werden alle Bilder der Ausstellung mit Format und Material sowie dem Preis aufgelistet. A propos Preis, es ist ja üblich, eine Ausstellung so auszulegen, dass die Bilder während der Ausstellung verkauft werden, aber dennoch bis zum Ende hängen bleiben. Hier im Hotel macht es allerdings Sinn, dem Kunden ein Bild auch gleich mitzugeben. Den höheren Aufwand, ein Bild kurzfristig nachzuproduzieren kann man sich ja durch einen Höherpreis bezahlen lassen. Das sollte dann natürlich auch in die Preiskalkulation und in die Beschreibung im Katalog einfließen. Wer den Katalog sehen möchte, bis 5.9.2017 liegt er im Alpenhotel Ammerwald zur Ansicht aus. Bei der Gelegenheit könnt Ihr ja auch gleich mal die Ausstellung anschauen.

Damit wären die meisten Arbeiten im Vorfeld der Ausstellung beschrieben. Im nächsten Blog erzähle ich Euch, wie die heiße Phase bis kurz vor der Vernissage abgelaufen ist.

100 Wonders of the World

Wahnsinn und G…! Meine erste Reaktion, als letzten Dezember eine Mail aus St. Petersburg in meiner Mailbox erschien. Angelina, Kuratorin der jährlich stattfindenden Ausstellung „100 Wonders of the World“ bat mich um Überlassung zwei meiner Bilder, um sie in St. Petersburg im Rahmen dieser Ausstellung zeigen zu dürfen.

Ein paar Mails später waren wir uns einig. Man hatte sich schon aus meinem Portfolio bei 500px das Bild „Eagle“ :

und aus meiner Bilderpräsentation auf 1x.com das Bild „Just Married“ herausgesucht:

Nach Klärung der vertraglichen Seite – ich überlasse einmalige Nutzungsrechte zum Zweck der Ausstellung – noch die Aufbereitung des Materials um einen hochwertigen Ausdruck im Format von ca. 90×60 zu ermöglichen, gehen die Dateien per WeTransfer nach Russland.

Dann habe ich lange nichts mehr gehört. Aber nun ist endlich Feedback und Bildmaterial aus St. Petersburg gekommen. Die Ausstellung läuft seit 1. Januar 2017 im Art Center im Nevskiy Prospekt 64, St. Petersburg. Angelina hat mir erzählt, dass im Monat Januar ca. 8000 Besucher die Ausstellung gesehen haben. Wer des Russischen mächtig ist, kann sich ja gerne mal die Seite des Art Centers anschauen.

Und so schaut es in der Ausstellung aus:

Wer genau aufgepasst hat, sieht „Just Married“ und „Eagle“ auf diesem Ausschnitt der Ausstellungshalle. Hier nochmal ein besserer Blick auf „Eagle“ :

Erstes, ausgewähltes Feedback von Besuchern könnt Ihr hier nachlesen. Aber damit nicht genug, die Ausstellung bleibt im Februar noch in St. Petersbrug und geht danach auf die Reise. In Summe wird in diesem Jahr die Ausstellung in 5 Städten West-Russlands gezeigt.

Nach St. Petersburg noch in Ulyanovsk, Bryansk, Petrozavodsk and Syktyvkar. Von diesen Städten werde ich später noch berichten, sofern ich hierzu auch Bildmaterial erhalte. Leider persönlich vor Ort zu sein, muss ich mir dann doch sparen. Honorar für die dennoch extrem spannende Geschichte für mich und meine Fotografie gibt es natürlich nicht. Wer zufällig dort ist und mir ein paar Bilder schickt, dem wird mein Dank ewig nachschleichen! Nach Abschluss der Veranstaltung werden die Bilder einem Krankenhaus gespendet.

Hier noch ein paar Eindrücke aus den Räumen der ersten Veranstaltung in St. Petersburg:

Alle Bilder dieses Blogs (bis auf „Eagle“ und „Just Married“ ) mit freundlicher Genehmigung von „100 Wonders of the World“ .

Wildgänse – Ein Wettbewerbsserfolg

Letztes Jahr wurde der „1st International Circuit of Photography 2016“ veranstaltet. Ich hatte hierzu einige Bilder abgegeben, den Wettbewerb aber ganz verdrängt. Ich hatte übersehen, dass dieser Wettbewerb kein FIAP-Patronat hatte und somit war dieser Wettbewerb eigentlich uninteressant für mich. Schließlich arbeite ich an einer Anerkennung der FIAP.

Vor kurzem bekam ich Post aus Serbien. Neben einer „Honorable Mention“ für mein Bild Lifeguard (hierzu wird es auch einen Blog geben) wurde meine Fotografie „Wildgänse“ mit einer PGI Bronze Medaille ausgezeichnet. Was für eine Überraschung!

Ihr könnt auch alle Wettbewerbsergebnisse hier anschauen (Im Dropdown „Gradac“ auswählen). Dabei war dieses Bild eigentlich gar nicht so besonders und entstand als „Beifang“ meiner letzten Fotosafari zu den Kranichplätzen bei Stralsund. Dort kann man eigens aufgestellte Fotoboxen mieten, in denen man einen Tag ausharren muss, dafür aber recht nah an die Kraniche kommt und nach Herzenslust fotografien kann, aber seht selbst:

Leider war das Licht wegen des bewölkten Wetters nicht geeignet für gut ausgeleuchtete Fotos. Wenn doch nur das Licht so gewesen wäre, wie am Vortag:

Da waren sehr schöne Spielereien mit der Abendsonne möglich. Übrigens sind diese Bilder direkt von der Straße aus dem Auto fotografiert worden. Solange man nicht aussteigt, sind die Kraniche recht friedlich und fliegen meistens nicht weg. Mit einem 500 mm-Objektiv kommt man ausreichend nah heran, man muss also nicht zwingend diese Kiste mieten.

Die Entstehung von „Wildgänse“ habe ich meinem Fotoclubfreund Thomas zu verdanken. In so einer Fotokiste hat man viel Zeit und so hatte ich erste Ergebnise schon aus der Kiste heraus online gestellt. Einer seiner Kommentare war: „Mach‘ doch mal was mit Unschärfe“ und so machte ich mich an die Arbeit. Also die Belichtungszeit länger machen, aber wie viel? Nach einigen Versuchen – ich fotografierte wegfliegende Gänse oder Kraniche – hatte ich eine für mein Vorhaben geeignete Belichtungszeit (1/100 sec) herausgefunden.

Das Bild „OutOfCam“ war eigentlich eher was für den elektronischen Mülleimer, aber mir gefielen wegfliegenden Wildgänse und die bei 1/100 sec schon unscharfen Flügel bei gleichzeitig scharf abgebildeten Körpern machte einen gewissen Reiz aus.

Also aus der Not eine Tugend machen und in Lightroom an den Reglern drehen! Hier in Photoshop ans Werk zu gehen habe ich mir gespart, sollte doch einfach nur noch ein akzeptables Bild entstehen.

Nachdem ich ausschließlich in RAW fotografiere ist das Bild immer etwas zu schärfen. Das passiert bei mir schon standardmäßig beim Importieren.

Danach habe ich eigentlich nur noch an den Reglern der Grundeinstellungen gedreht. Das dafür aber recht kräftig. Belichtung und Lichter hoch, Kontrast erhöht, Schwarz/Weiß weit weg vom Mittelwert und die Klarheit nach Geschmack sowie einen neuen Ausschnitt gewählt, der die Gänse in die Mitte bringt und nur ein klein wenig die Baumgruppe im Hintergrund sehen lässt, damit man noch eine Basis im Bild hat.

Herausgekommen ist eine brauchbare Fotografie, die einen absolut neutralen Hintergrund zeigt,  wegfliegende Gänse in ihrer Dynamik mit verschwommenen Flügeln und scharfen Körpern zeigt. Zudem bringen die hell orangenen Beine der Gänse einen kleinen farbigen Klecks ins Bild.

Hier noch einmal die Bilder Vorher/Nachher im direkten Vergleich:

Mir gefällt’s, den Juroren des „1st International Circuit of Photography 2016“  anscheinend auch.

Es wird Winter im Allgäu

Landschaftsfotografie im Allgäu

Heute habe ich mich mit Fotofreund Christian zum Fotografieren verabredet. Er hat sich eine neue Kamera gekauft und wollte von mir einige Tipps und Tricks erfahren. Um das gleich richtig in der Praxis zu machen, wollten wir Richtung Eisenberg im Allgäu fahren um dann in den Morgen hinein zu fotografieren.

Das war eine gute Wahl. Gestern hatte es zum ersten Mal in dieser Saison ergiebiger geschneit und der Schnee lag heute frisch auf der Allgäuer Landschaft. Bei Minus-Graden von bis zu 15 Grad unter Null standen wir nun da und warteten auf die Sonne.

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Als erstes wurde der Auto-Modus der Kamera ausgeschaltet. Die Stimmungen, die man in der Dämmerung einfangen möchte, steuert man lieber selber z.B. mit Blendenvorwahl.

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Solange es noch sehr dämmerig ist und man nicht unbedingt den ISO hochdrehen will, braucht man zwingend ein gutes Stativ.

Wir waren in unserem Element und die Wahl des Tages war genau richtig angesetzt. Als wir uns vor 3 Tagen verabredet hatten, war es noch nicht ganz klar, dass wir so ein tolles Wetter und Licht bekommen würden.

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Dann war es so weit! Kurz nach 8:00 Uhr ging die Sonne auf. Erste Lichtstrahlen fallen auf die Ruine Falkenstein.

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Kleine Strahlenkunde: Lichtquellen erzeugen längere Strahlen, wenn man die Blende entsprechend klein einstellt – zum Vergleich:

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Aufnahme mit Blende 7,1
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Aufnahme mit Blende 22

Irgendwann war es aber mal so zapfig kalt, dass wir ganz froh waren, wieder im Auto zu sitzen und zurückfahren zu können.

Hier noch eine kleine Auswahl der fotografischen Beute des Tages: